Market Insight
FRÜHJAHR 2018

Jahresbericht
Jahr 2018

Market Insight
HERBST 2018

Market Insight
WINTER 2018-2019

9 Verfügbaren Kapitel - Download des PDF

4. Unternehmen, Umsatz, Frachtraten, Wasserstände & Betriebsbedingungen

• Mit ca.3.400 Binnenschiffsunternehmen im Güterverkehr sind die Niederlande das Land mit der höchsten Wirtschaftsaktivität im Sektor Güterverkehr.

• Die Rheinstaaten haben einen Anteil von 91% am Gesamtumsatz des Güterverkehrs in der europäischen Binnenschifffahrt.

• In der Passagierschifffahrt ist die Wirtschaftsaktivität in Europa gleichmäßiger verteilt.

• Die Schweiz ist das Land mit dem höchsten Anteil am Umsatz der Passagierschifffahrt.

 

Binnenschifffahrtsunternehmen

Und Jahresumsatz in Europa

 

Anzahl der Binnenschifffahrtsunternehmen im Güterverkehr in Europa

Quelle: Eurostat [sbs_na_1a_se_r2] und Bundesamt für Statistik (CH)

CH4 Number of IWT companies in goods transport in Europe

 

87% aller Güterverkehrsunternehmen der Binnenschifffahrt sind in den Rheinstaaten (Niederlanden, Deutschland, Belgien, Frankreich, Schweiz) und nur 3% in den Donaustaaten (Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien) registriert. 10% finden sich in anderen Ländern (Polen, Italien, Vereinigtes Königreich, Tschechische Republik, Schweden usw.)

 

Jahresumsatz im Güterverkehr der Binnenschifffahrt in Europa (Mio. €)

Quelle: Eurostat [sbs_na_1a_se_r2], Bundesamt für Statistik (CH), Centraal Bureau voor de Statistiek (NL)

CH4 Annual turnover in IWT goods transport in Europe

 

Die Güterverkehrsunternehmen in den Niederlanden und in Deutschland stehen für 80% des Umsatzes im europäischen Sektor Güterverkehr der Binnenschifffahrt. Die drei anderen Rheinstaaten (Belgien, Frankreich und Schweiz) verbuchen weitere 11% des europäischen Umsatzes. Alle anderen Länder haben einen Anteil von 9%.

 

Anzahl der Binnenschifffahrtsunternehmen in der Passagierschifffahrt in Europa

Quelle: Eurostat [sbs_na_1a_se_r2] und Bundesamt für Statistik (CH)

CH4 Number of IWT companies in passenger transport in Europe

 

Nur 42% aller Binnenschifffahrtsunternehmen der Fahrgastbeförderung befinden sich in den Rheinstaaten, 6% sind in Donaustaaten registriert und 52% in Schweden, Polen, im Vereinigten Königreich, in Finnland, der Tschechischen Republik, Spanien usw. Dies erklärt sich dadurch, dass laut Eurostat-Definition ein Binnenschifffahrtsunternehmen in der Fahrgastbeförderung ein Unternehmen ist, das auf Flüssen und Seen aktiv ist. Statistisch gibt es keine Unterscheidung zwischen der Fahrgastschifffahrt auf einem Fluss und einem See. Besonders Italien, die Schweiz, Schweden, Österreich und Deutschland sind Staaten mit einer großen Anzahl von Seen und vielen Fahrgastschiffen, die Tagesausflüge oder Linienverkehr auf diesen Seen anbieten.

 

Jahresumsatz in der Passagierschifffahrt der Binnenschifffahrt in Europa (Mio €)

Quelle: Eurostat [sbs_na_1a_se_r2], Bundesamt für Statistik (CH), Centraal Bureau voor de Statistiek (NL)

CH4 Annual turnover in IWT passenger transport in Europe

 

Die Schweizer Unternehmen in der Fahrgastschifffahrt sind oft bei Flusskreuzfahrten aktiv, wo der durchschnittliche Umsatz pro Unternehmen viel höher liegt als im Tagesfahrt-Sektor. Der starke Anstieg seit 2012 wird durch die boomenden Flusskreuzfahrten erklärt (siehe das Kapitel über Flusskreuzfahrten).

 

Quartalsumsatzentwicklung

In den Jahren 2015, 2016 und 2017

 

Offizielle Daten für die Umsatzentwicklung werden von Eurostat veröffentlicht, aktuelle Daten sind aber nur mit einer erheblichen Zeitverzögerung erhältlich.5 Daher werden für die Jahre 2015, 2016 und 2017 unterjährige Daten verwendet, aber diese Daten sind nur für eine begrenzte Anzahl an Staaten verfügbar. Eurostat veröffentlicht unterjährige Umsatzdaten nur für den NACE-Abschnitt H50 (Schifffahrt), der See- und Binnenschifffahrt zusammen umfasst. Basierend auf diesem Datensatz kann die Umsatzentwicklung in der Binnenschifffahrt nur für Länder mit praktisch keiner Seeschifffahrt (Österreich, Ungarn) ermittelt werden.

5 Die Jahresumsatzdaten von Eurostat für das Jahr 2017 waren bei Abfassung dieses Berichts noch nicht verfügbar.

 

Niederlande

Für die Niederlande werden Umsatzdaten auf Quartalsbasis vom nationalen Statistikbüro (CBS) bereitgestellt.

 

Umsatzentwicklung in den Niederlanden (2010=100) – Rheinstaat mit einem hohen Anteil an Güterverkehr

Quelle: CBS

CH4 Turnover development in the Netherlands

 

Die Umsatzentwicklung im Transportsektor in den Niederlanden zeigt Unterschiede zwischen der Beförderung auf der Straße und Schiene einerseits und der See- und Binnenschifffahrt andererseits. Dieses Muster kann durch allgemeine Trends in der See- und Binnenschifffahrt erklärt werden. Diese Trends hängen mit der Entwicklung des Welthandels, der Massengüterbeförderung von Trocken- und Flüssiggütern, dem Containertransport usw. zusammen. Alle diese Gütersegmente sind sowohl typisch für See- wie auch für Binnenschiffe, aber nicht sehr verbreitet auf der Straße. Die Schiene andererseits ist ebenfalls ein Verkehrsträger für Massengüter, aber in einem geringerem Maße als die Binnen- oder Seeschifffahrt.

Der Umsatz bei Straße und Schiene entwickelte sich stetiger und positiver als der Umsatz der Binnen- und Seeschifffahrt. Binnen- und Seeschifffahrt zeigen ziemlich starke Fluktuationen, bedingt durch Schwankungen in der Massengüterbeförderung, im Welthandel, bei den Rohstoffpreisen und – bezeichnend nur in ihrem eigenen Sektor – durch Änderungen bei den Wasserständen auf Flüssen.

 

Ungarn und Österreich

 

Ungarn ist ein Staat der mittleren Donau, in dem der Güterverkehr einen hohen Anteil am Umsatz der Binnenschifffahrt besitzt (nahezu 3/4). Vergleiche mit dem Aufkommen an Güterverkehr zeigen einen engen Zusammenhang zwischen Transportnachfrage und Umsatzentwicklung.

Der Umsatzrückgang im ersten Quartal 2017 wurde durch die Einschränkungen der Schifffahrt auf der Donau auf Grund der Niedrigwasserstände und der Vereisung im Winter 2017/2018 verursacht. Der Umsatzanstieg im dritten Quartal 2017 (+18% im Vergleich zu Q3 2016) verläuft parallel zum starken Anstieg der Transportnachfrage in diesem Quartal (+11.5%), wenn auch in einer stärkeren Größenordnung. Der Aufschwung in Q2/17, Q3/17, Q4/17 spiegelt die Aufholeffekte nach den schwierigen Schifffahrtsbedingungen im ersten Quartal wider.

 

Umsatzentwicklung in Ungarn (2010=100) – Donaustaat mit Schwerpunkt Güterschifffahrt

Quelle: Eurostat [sts_setu_q]

CH4 Turnover development in Hungary

 

Österreich ist ein Staat an der oberen Donau, in dem die Fahrgastbeförderung einen sehr hohen Anteil am Umsatz besitzt (rund 2/3). Dies erklärt das Umsatztief in jedem ersten Quartal eines Jahres, da im Winter für gewöhnlich keine Kreuzfahrten und Tagesausflüge stattfinden. Der Umsatz weist seinen saisonalen Höhepunkt in jedem dritten Quartal auf.

Der Umsatz in Q3 2017 war 3% höher als im Vorjahr. Eine wichtige Erklärung findet sich im Aufwärtstrend der Fahrgastschifffahrt, sowohl hinsichtlich der Anzahl der Unternehmen als auch ihres Anteils am Umsatz.

 

Umsatzentwicklung in Österreich (2010=100) – Donaustaat mit Schwerpunkt Fahrgastschifffahrt

Quelle: Eurostat [sts_setu_q]

CH4 Turnover development in Austria

 

Frachtraten und Wasserstände

Frachtraten

 

Entwicklung der Frachtraten in den Niederlanden (Jahresmittel 2015 = 100)

Quelle: CBS – Centraal Bureau voor de Statistiek

CH4 Development of freight rates in the Netherlands

 

Die durchschnittlichen Transportpreise im Jahr 2017 in den Niederlanden waren höher als im Jahr 2016. Die Ursachen für das hohe Niveau der Frachtraten in Q1 2017 können in den Niedrigwasserständen auf dem Rhein gesehen werden. Dies führte zu Einschränkungen bei den Beladungsgraden der Schiffe und daher zu höheren Transportpreisen. Die Erklärung für das hohe Niveau in Q2/17, Q3/17 und Q4/17 hängt eher mit ökonomischen Ursachen zusammen. Das Jahr 2017 brachte eine wirtschaftliche Erholung in Europa mit sich und einen Aufschwung in der Transportnachfrage in der Binnenschifffahrt.

 

Entwicklung der Frachtraten im Donauraum (Jahresmittel 2015 = 100)

Quelle: Donaukommission

 

Auf der Donau waren die Frachtraten hauptsächlich durch die Bunkertreibstoffkosten bestimmt. Die Treibstoffkosten stellen 50-60% der Gesamtbetriebskosten der Donauschiffe dar. Bei steigenden Öl- und Treibstoffpreisen lagen die Frachtraten im Jahr 2017 im Durchschnitt rund 5% höher als im Vorjahr.

 

Frachtraten bei der Tankschifffahrt und Beladungsgrade der Schiffe auf dem Rhein

 

Auf dem Rhein waren im Januar 2017 die Wasserstände sehr niedrig, daher stiegen die Frachtraten. Auf Grund dieses Anstiegs kauften die Händler auf dem Spotmarkt nur die absolut notwendigen Mengen, die Flüssiggütertransporte kamen hauptsächlich aus Vertragsbindungen. Im Februar fielen die Frachtraten zurück auf ein normales Niveau, als Folge der sich erholenden Wasserstände. Von da an erholte sich das Spotmarktgeschäft wieder.

Im Juni und Juli führten Wartungsarbeiten an deutschen und Schweizer Raffinerien zu verstärkten deutschen und Schweizer Importen von den ARA-Seehäfen über den Rhein. Da die Wartungsarbeiten die Raffinerien in Norddeutschland mit einschlossen, gab es auch in diesem Teil des Landes mehr nationalen Verkehr von Mineralölprodukten. Dies hatte insgesamt einen positiven Effekt auf die Frachtraten. Zeitlich begrenzt fallende Wasserstände im Juli spielten eine zusätzliche Rolle.

Zwischen August und September sanken die gehandelten Mengen an Mineralölprodukten und die Frachtraten fielen. Vor allem spielten dabei die steigenden Wasserstände eine Rolle. Zudem orientierten sich die Bedingungen auf den Öl-Terminmärkten in Richtung „Backwardation”, eine Situation, bei der erwartet wird, dass die zukünftigen Ölpreise unter den aktuellen Preisen liegen werden. Diese Marktsituation birgt keine kommerzielle Chancen für die Beförderung von Mineralölprodukten in Speicherdepots, und bringt bei den Frachtraten keine Aufwärtsbewegung.

Die Backwardation-Situation auf den Öl-Terminmärkten setzte sich durch den Herbst und Winter fort, und die Kombination mit relativ hohen Wasserständen und Beladungsgraden der Schiffe, bedeutete, dass sich die Tankerfrachtraten auf dem Rhein auf einem mehrjährigen Durchschnittsniveau befanden.

 

Maximal möglicher Beladungsgrad bei Kaub am Mittelrhein für Schiffe mit einem Tiefgang von 2,5 und 3 Metern im Vergleich zum Frachtratenindex*

Quelle: ZKR-Auswertung nach Daten der Bundesanstalt für Gewässerkunde und von PJK International. * Frachtraten in der Tankschifffahrt 

 

Wasserstände, die Beladungsgrade von Schiffen und Frachtraten sind eng miteinander verbunden. Dieser Zusammenhang besteht auch, wenn Daten über einen langen Zeitraum analysiert werden. Die folgende Abbildung zeigt monatliche Daten zwischen Januar 2002 und März 2018. Der Zusammenhang scheint nichtlinear zu sein und kann durch eine Potenzfunktion als Trendkurve beschrieben werden: Wenn die Wasserstände unter einen bestimmten Schwellenwert fallen, werden die Frachtraten stärker steigen als üblich.

 

Wasserstände bei Kaub / Mittelrhein im Vergleich mit dem Frachtratenindex für Tankschifffahrt auf dem Rhein (monatliche Daten, 1/2002-3/2018)

Quelle: ZKR-Auswertung nach Daten der Bundesanstalt für Gewässerkunde und von PJK International.

 

Konkurse

Und Gründung neuer Unternehmen

 

Die Abbildung der Konkursentwicklung in der Binnenschifffahrt der Niederlande (Güterverkehr) zeigt einen starken Rückgang seit 2012. Die hohe Zahl von Unternehmen die im Jahr 2012 den Markt verließen, war eine Konsequenz der Finanzkrise im Jahr 2009, die nur mit einer bestimmten Verzögerung auftrat. Insgesamt gesehen zeigt die Abbildung, dass die Betriebsbedingungen in dem Sektor seit 2012 eine positive Tendenz aufweisen.

 

Entwicklung der Zahl von Konkursen im Frachtverkehr in den Niederlanden*

Quelle: CBS *Konkurse im Güterverkehr. Natürliche Personen sind einzelne Schiffseigner.

CH4 Evolution of the number of bankruptcies in freight transport in the Netherlands

 

Obwohl die Mehrheit der niederländischen Binnenschiffseigner natürliche Personen sind (und daher Eigner einzelner Schiffe), stehen sie nur für einen kleinen Teil der Konkurse.

Der hohe Anteil an neuen Unternehmen, die im Jahr 2009 gegründet wurden, war noch ein Ergebnis der günstigen wirtschaftlichen Bedingungen vor dem Ausbruch der Finanzkrise. In den Jahren nach 2009 stabilisierten sich die Neugründungen auf einem niedrigeren Niveau, und im Jahr 2016 und 2017 waren die Zahlen höher als in den Jahren 2013 und 2014. Auch hier bilden natürliche Personen die Mehrheit.

 

Entwicklung der Anzahl neu gegründeter Unternehmen im Frachtverkehr in den Niederlanden*

Quelle: CBS *Neue Unternehmen im Güterverkehr. Natürliche Personen sind einzelne Schiffseigner.

CH4 Evolution of the number of newly created enterprises in freight transport in the Netherlands

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