• Im Jahr 2019 ist der europäische Flusskreuzfahrtsektor im Vergleich zu 2018 weiter gewachsen und erreichte 378 aktive Schiffe mit 54 814 Betten. Die Neubaurate war mit 19 neuen Schiffen, die auf den Markt kamen, ebenfalls hoch.

• Ein zweiter Wachstumsindikator für den europäischen Flusskreuzfahrtsektor im Jahr 2019 ist der Nachfrageanstieg um fast 10% auf 1,79 Millionen Passagiere (von denen 44% bis 49% aus außereuropäischen Ländern kamen).

• Das Wachstum des Schiffsverkehrs (Zahl der Kreuzfahrtschiffe an Schleusen) ist ein weiteres Zeichen für die positive Entwicklung des Sektors sowohl auf dem Rhein (+24% gegenüber 2018) als auch auf der Donau (+30% an der mittleren Donau und fast +35% an der unteren Donau).

 

FLOTTENBESTAND FÜR FLUSSKREUZFAHRTEN

Hader, A. (2019), Die Flusskreuzfahrtflotte

  • Europa besitzt heute die größte Kreuzfahrtflotte, gefolgt vom Nil und anderen afrikanischen Flüssen. Die aktive Kreuzfahrtflotte in Europa repräsentiert mehr als 40% der weltweit aktiven Kreuzfahrtflotten. Die Flotte für Flusskreuzfahrten in der EU-Region konzentriert sich hauptsächlich auf mitteleuropäische Wasserstraßen (fast 75% der gesamten Flusskreuzfahrtflotte in der EU) (Rhein, Main, Main-Donau-Kanal, Donau, Elbe-Oder). Die Flusskreuzfahrtflotte in Europa hat seit 2004 stetig zugenommen und erreichte 2019 378 aktive Schiffe mit 54 814 Betten (gegenüber 359 im Jahr 2018 mit 52 078 Betten) (Die in diesem Bericht aufgeführte europäische Flusskreuzfahrtflotte (Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 39 Betten) umfasst die Flotte in der EU und in der Schweiz).
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    ABBILDUNG 1: ANZAHL DER FLUSSKREUZFAHRTSCHIFFE IN DER EU NACH EINSATZREGIONEN (2004 – 2019)


    Quelle: Hader, A. (2019), The River Cruise Fleet
     

  • In der Saison 2019 wurden 19 völlig neue Schiffe auf den Markt gebracht. Ein weiteres Schiff trat nach einer langen Wartezeit wieder aktiv in den Kreuzfahrtmarkt ein. Ein anderes wurde aus der Datenbank entfernt.
  • Die hohe Anzahl neuer Kreuzfahrtschiffe im Jahr 2019 (fast doppelt so hoch wie im Jahr 2018) ist auf eine gestiegene Nachfrage von US-amerikanischen Kunden und eine gute Nachfrage auf dem deutschsprachigen Markt zurückzuführen. Von diesen 19 neuen Schiffen schlossen sich 14 der Flotte an, die auf mitteleuropäischen Wasserstraßen operiert, eines der Flotte, die nur auf der Donau operiert, und vier werden auf dem Douro fahren. Die neu auf den Markt gekommenen Kreuzfahrtschiffe für die Donau verfügen über einen erhöhten Komfort, eine erhöhte Energieeffizienz und einen Tiefgang von etwa 1,8 m.
  • Für 2020 werden ebenfalls neunzehn Neubauten erwartet: 13 auf mitteleuropäischen Wasserstraßen, 2 auf dem Douro und 4 auf der Seine. Sieben sollten sich dem deutschsprachigen Markt widmen, der im Vergleich zu den letzten Jahren deutlich gewachsen ist.
  • Das in diesem Kapitel behandelte Auftragsbuch für neue Flusskreuzfahrtschiffe im Jahr 2020 berücksichtigt erste Daten zur Covid-19-Krise, die das Flusskreuzfahrtsegment im Jahr 2020 stark beeinflusst hat und auch in den Jahren 2021 und 2022 noch beschäftigen wird. Die Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die Neubautätigkeit werden voraussichtlich in den Jahren 2021 und 2022 zu spüren sein.
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    ABBILDUNG 2: NEUE FLUSSKREUZFAHRTSCHIFFE FÜR DEN EUROPÄISCHEN MARKT 2004-2021*


    Quelle: Hader, A. (2019), The River Cruise Fleet
    *2020: Prognose basierend auf Auftragsbüchern
    *2021: Bestellung im Mai 2020.

     

  • Je nach Werft kann der Bau eines Flusskreuzfahrtschiffes bis zu 12 Monate dauern. Darüber hinaus werden neue Flusskreuzfahrtschiffe in der Regel zu Beginn der Saison oder spätestens im Sommer ausgeliefert. Daher ist für das Jahr 2020 der Bau der meisten neu bestellten Kreuzfahrtschiffe bereits abgeschlossen.
  • Für die Saison 2021 wurden bereits viele Neubauverträge unterzeichnet, in einigen Fällen wurde bereits mit dem Bau begonnen, zumindest sind Teile des Schiffes bereits in Produktion. Angesichts der starken wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Krise auf den Flusskreuzfahrtsektor haben Unternehmen finanzielle Schwierigkeiten, daher könnte es zu Maßnahmen zur Risikominderung kommen, indem beispielsweise Verträge zurückgestellt oder die Zahlungen für solche Verträge gestaffelt werden.
  • Die Anzahl der Neubauten kann nicht nur zu Schwierigkeiten bei laufenden Verträgen führen, sondern auch in den Jahren 2021 und 2022 zurückgehen. Zwar sollten Anfang 2020 die für das Jahr 2021 vorgesehenen Neubauverträge bestätigt werden, für einige ist die Bestätigung jedoch nicht erfolgt.
  • Ein Beispiel für ein solches Vorgehen ist das Jahr 2016 – nach den Terroranschlägen von 2015 in Paris -, als mehrere Monate lang weniger US-amerikanische Touristen Europa besuchten und die Zahl der neuen Flusskreuzfahrtschiffe in den Jahren 2016, 2017, und 2018 zurückging, um sich 2019 und 2020 (Prognose) zu erholen. Dieses Beispiel deutet darauf hin, dass 2022 zum Teil noch das Jahr sein könnte, in dem die Auswirkungen der Covid-19-Krise auf Neubauten zu spüren sein werden.
  • Es ist möglich, dass die Covid-19-Krise 2020 und 2021 dazu führt, dass einige bestehende Flusskreuzfahrtschiffe vom Markt genommen werden. Seit 2005 wurden 27 Schiffe aus der EU-Flusskreuzfahrtflotte zurückgezogen, davon 5 während der Wirtschaftskrise 2009.
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    ABBILDUNG 3: ANZAHL DER FLUSSKREUZFAHRTSCHIFFE IN DER EU NACH BAUJAHR


    Quelle: Hader, A. (2019), The River Cruise Fleet
     

  • Im Jahr 2019 brachten die 19 neuen Schiffe eine zusätzliche Kapazität von 3 131 Betten auf den Flusskreuzfahrtmarkt in Europa. Der Nettoanstieg der Kapazität im Jahr 2019 beträgt jedoch 2 769 Betten (+ 5,3%). Im Jahr 2020 sollte die zusätzliche Kapazität 3 158 Betten betragen, bei der gleichen Anzahl neuer Schiffe, die voraussichtlich auf den Markt kommen wird.
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    ABBILDUNG 4: NEUE KREUZFAHRTKAPAZITÄTEN IN DEN JAHREN 2018, 2019 UND 2020 PRO EINSATZREGION* (ANZAHL DER BETTEN)


    Quelle: Hader, A. (2019), The River Cruise Fleet
    * R / M / M / D = Rhein / Main / Main-Donau-Kanal / Donau. Die neuen Betten auf der Donau und in den Benelux-Ländern (181 Betten) im Jahr 2018 sind das Ergebnis des Umbaus oder der Modernisierung bestehender Schiffe. Die 150 neuen Betten auf dem Rhein im Jahr 2019 sind auch das Ergebnis des Umbaus eines bestehenden Schiffes. 2020: Prognose basierend auf Auftragsbüchern.

     

  • Bei der Anzahl der Neubauten und auf der Grundlage von Auftragsbüchern scheint die durchschnittliche Anzahl der Betten in neuen Kreuzfahrtschiffen nach einem Rückgang zwischen 2014 und 2018 wieder zu steigen. Tatsächlich kamen 2019 sieben große Kreuzfahrtschiffe mit hoher Passagierkapazität (190 Betten) auf den Markt und befahren den Rhein / Main-Donau-Kanal. Darüber hinaus kam 2019 die AMAMAGNA, mit 196 Betten das größte jemals für Europa gebaute Flusskreuzfahrtschiff, auf den Markt, das nur auf der Donau fährt.
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    ABBILDUNG 5: DURCHSCHNITTLICHE ANZAHL DER BETTEN IN NEUEN FLUSSKREUZFAHRTSCHIFFEN IN EUROPA NACH BAUJAHR*


    Quelle: Hader, A. (2019), The River Cruise Fleet
    *Abbildung für 2020: Prognose

     

  • Die Schweiz (172 Schiffe) ist das Land mit der höchsten Anzahl registrierter Flusskreuzfahrtschiffe. Sie hat auch einen großen Anteil an der Schifffahrt auf dem Rhein und der Donau sowie auf Rhône-Saône und auf der Seine. An zweiter Stelle steht Deutschland, wo 53 Flusskreuzfahrtschiffe registriert sind, die hauptsächlich auf dem Rhein und auf der Donau verkehren. In Malta und in den Niederlanden sind etwa gleich viele Flusskreuzfahrtschiffe mit 43 bzw. 41 Schiffen registriert.
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    ABBILDUNG 6: AKTIVE FLUSSKREUZFAHRTSCHIFFE IN DER EU IN 2019 NACH REGISTRIERUNGSLAND* (ANZAHL DER SCHIFFE)


    Quelle: Hader, A (2019)
    *Andere Länder sind Belgien, die Tschechische Republik, das Vereinigte Königreich, Polen, die Ukraine und Moldawien. In diesen Staaten ist jeweils nur ein Flusskreuzfahrtschiff registriert.

     

  • In den Niederlanden registrierte Schiffe fahren hauptsächlich auf niederländischen Flüssen, auf dem Rhein und dem Main-Donau-Kanal, während in Malta registrierte Schiffe hauptsächlich im Rhein-Main-Donau-Gebiet und gelegentlich in Frankreich fahren. In Frankreich sind 32 Flusskreuzfahrtschiffe registriert, die hauptsächlich auf französischen Gewässern und im Rhein-Donau-Raum fahren. In Portugal sind 19 Schiffe registriert, die fast ausschließlich auf dem Douro fahren. Die Region, in der die meisten Flusskreuzfahrtschiffe in verschiedenen Ländern registriert sind, bleibt der Rhein-Donau-Raum.

 
 
 

NACHFRAGE NACH FLUSSKREUZFAHRTEN

  • Die Zahlen von SeaConsult und der IG River Cruise (die Interessengemeinschaft der führenden europäischen Flusskreuzfahrtreedereien, die ungefähr 70% der in Europa tätigen Betreiber vertritt) für 2019 zeigen, dass sich der europäische Flusskreuzfahrtsektor vor der Covid-19-Pandemie in einem gesunden Zustand befand. Die Zahl der Flusskreuzfahrtpassagiere stieg 2019 weiter an und erreichte ein Niveau von 1,79 Millionen Passagieren (+ 9,9%).
  • Für den europäischen Flusskreuzfahrtmarkt blieben die US-Amerikaner und Kanadier 2019 mit einem Anteil von 36,7% das fünfte Jahr in Folge der wichtigste Quellmarkt, gefolgt von den Deutschen (28,3%). Die Briten und Iren (11,8%) belegen den dritten Platz, gefolgt von Australiern und Neuseeländern (7,5%) mit einem deutlichen Wachstum von 30% gegenüber 2018, und den Franzosen (7,1%). Andere Länder machten 2019 4,4% aus, ein Anstieg, der durch eine höhere Anzahl chinesischer Passagiere in Europa verursacht wurde.
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    ABBILDUNG 7: ANZAHL DER PASSAGIERE AUF EUROPÄISCHEN KREUZFAHRTSCHIFFEN NACH NATIONALITÄT (IN 1 000)


    Quellen: SeaConsult, IG RiverCruise (2019), Der Fluss-Kreuzfahrtmarkt 2019
     

  • In Deutschland stieg 2019 die Zahl der Flusskreuzfahrtpassagiere gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 9,0%, der Ticketerlös um 10,5%. Im Jahr 2018 hatten die Ticketerlöse bereits stark zugelegt (+ 18%).
  • Das Durchschnittsalter der Flusskreuzfahrtpassagiere stieg 2019 an, wobei 84,1% aller deutschen Passagiere über 56 Jahre alt waren. Fast 35% befanden sich im Bereich von 56 bis 65 Jahren (gegenüber 26,7% im Jahr 2018, in dem eine Welle jüngerer Passagiere zu verzeichnen war). Die Altersgruppe der 26 bis 40 Jährigen verringerte sich 2019 auf 3,8% (8,3% im Jahr 2018), die Altersgruppe der 41 bis 55 Jährigen wies im Jahr 2019 einen Anteil von 10,3% (18,3% im Jahr 2018) auf (Quelle: IG River Cruise / DRV / SeaConsult (2019), Der Fluss-Kreuzfahrtmarkt 2019).
  • Die Zahl der Kreuzfahrtschiffe, die die Schleuse Iffezheim am Oberrhein passierten, lag 2019 bei 2 929, was einem starken Anstieg von 24% gegenüber 2018 entspricht. Der Schiffsverkehr auf der oberen Donau an der deutsch-österreichischen Grenze stromabwärts von Passau stieg 2019 um 1,2%, 3 668 Schiffe passierten die Schleuse von Jochenstein (Die Statistiken für die meisten anderen deutschen Flüsse waren 2019 aufgrund der Abschaffung der Nutzungsgebühren für Binnenwasserstraßen in Deutschland nicht verfügbar).
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    ABBILDUNG 8: JÄHRLICHE ANZAHL VON DURCHFAHRTEN VON KREUZFAHRTSCHIFFEN AUF EUROPÄISCHEN FLÜSSEN


    Quelle: Deutsche Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung
    *Summe des Berg- und Talverkehrs von Kabinenschiffen an folgenden Schleusen: Jochenstein (Donau), Iffezheim (Rhein), Koblenz (Mosel)

     

  • Der Passagierverkehr mit Kabinenschiffen auf der Donau erfolgt hauptsächlich auf zwei Arten:
    1) Kurzreisen: Fahrten von fünf, sieben oder acht Tagen auf den Strecken Passau-Wien-Bratislava-Budapest-Passau und Wien-Bratislava-Budapest sowie Fahrten von und zu den Rhein- und Mainhäfen.
    2) Lange Reisen: Reisen von Passau nach Wien und ins Donaudelta mit einer Dauer von 14, 15 oder 16 Tagen.
  • Der Kreuzfahrtverkehr auf den Kurzstrecken von Passau nach Wien und nach Budapest ist intensiver als auf den Langstrecken, wie die folgende Tabelle zeigt. Kurzreisen führen nur nach Budapest und überqueren daher nicht die südlichen Grenzen Ungarns zu Kroatien und Serbien.
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    TABELLE 1: KREUZFAHRTVERKEHR AUF DER DONAU IM JAHR 2019, PASSAGIERZAHL UND ANSTIEG IM VERGLEICH ZU 2018 (IN %)

    Punkt der DatenerfassungAnzahl SchiffsfahrtenAnzahl Passagiere
    Deutsch-österreichische Grenze3 668 (+1,2%)512 500 (+0,94%)
    Slowakisch-ungarische Grenze5 141 (+30,0%)720 800 (+31,2%)
    Ungarisch-kroatisch-serbische Grenze1 017 (+34,9%)135 040 (+30,3%)

    Quelle: Marktbeobachtung der Donaukommission
    Datenerfassungspunkte: Jochenstein (Grenze DE / AUT), Gabčikovo (Grenze SK / HU), Mohács (Grenze HU / CRO / RS)

     

  • Der Anstieg von 30% und mehr auf der Donaustrecke zwischen der slowakisch-ungarischen Grenze und der südungarischen Grenze zu Serbien und Kroatien ist auch auf den Rückgang im Jahr 2018 zurückzuführen, als Passagierschiffe mit einem Tiefgang von mehr als 1,8 m teilweise ihre Reise bereits im Bereich der oberen Donau unterbrechen mussten und ihre Passagiere mit dem Bus von Wien nach Bratislava und Budapest transportierten (Quelle: Marktbeobachtung der Donaukommission).
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