• Nach Angaben von Eurostat gibt es 5.606 Unternehmen im Güterverkehr der Binnenschifffahrt mit insgesamt 23.170 Beschäftigten. Der geografische Geltungsbereich für diese Zahlen ist die EU plus Bosnien-Herzegowina, Serbien und die Schweiz. Auf die Unternehmen in der Rheinregion (Niederlande, Frankreich, Deutschland, Belgien, Schweiz) entfallen 87% der Gesamtzahl der Unternehmen und 75% der Gesamtzahl der Beschäftigten.
• In dem oben definierten geografischen Gebiet gibt es 4.211 Unternehmen im Passagierverkehr der Binnenschifffahrt mit einer Gesamtbeschäftigung von 21.023 Personen. Die Beschäftigung im Passagierverkehr ist im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 aufgrund der Pandemiekrise um 9% zurückgegangen. Dies steht im Gegensatz zum Güterverkehr, wo die Beschäftigung 2020 im Vergleich zu 2019 um 3,6% zunahm.
• Während die Beschäftigungs- und Unternehmenszahlen im Güterverkehr der Binnenschifffahrt etwas höher sind als im Passagierverkehr der Binnenschifffahrt, übersteigt der finanzielle Umsatz im Güterverkehr den im Passagierverkehr um ein Vielfaches. Für die Rheinstaaten liegt der finanzielle Nettoumsatz im Güterverkehr der Binnenschifffahrt bei rund 5,5 Milliarden Euro (2020) gegenüber geschätzten 1,3 Milliarden Euro im Passagierverkehr (2020).

 

    ABBILDUNG 1: ENTWICKLUNG DER BESCHÄFTIGUNG IM GÜTER- UND PASSAGIERVERKEHR IN DER BINNENSCHIFFFAHRT IN EUROPA (ANZAHL DER PERSONEN)


    Quelle: Eurostat [sbs_na_1a_se_r2]

 

UNTERNEHMEN UND BESCHÄFTIGUNG IM GÜTERVERKEHR

 

  • Nach den jüngsten Eurostat-Zahlen sind 5.606 Unternehmen im Güterverkehr der Binnenschifffahrt in Europa (EU plus Bosnien-Herzegowina, Serbien und Schweiz) tätig. Rund 87% von ihnen (4.891 in absoluten Zahlen) sind in den Rheinstaaten (Niederlande, Deutschland, Belgien, Frankreich und Schweiz) registriert. Allein in den Niederlanden werden 3.303 Unternehmen im Güterverkehr der Binnenschifffahrt gezählt, was 59% der Gesamtzahl in Europa und 68% der Unternehmen in den Rheinstaaten entspricht.
  • Im Donauraum sind die Güterverkehrsunternehmen im Durchschnitt größer und haben mehr Beschäftigte als in Westeuropa.51 Dies erklärt die relativ geringe Zahl der Unternehmen in den Donaustaaten (212), die einen Anteil von nur 4% an allen Unternehmen im Güterverkehr der europäischen Binnenschifffahrt ausmachen.
  •  

    ABBILDUNG 2: ANZAHL DER UNTERNEHMEN IM GÜTERVERKEHR DER BINNENSCHIFFFAHRT IN EUROPA *


    Quellen: Eurostat [sbs_na_1a_se_r2] und Bundesamt für Statistik (CH)
    * Daten beziehen sich auf 2019.

     

  • Die Zahl der Beschäftigten im Güterverkehr umfasst Selbstständige, mithelfende Familienangehörige und Arbeitnehmer. Ihre Gesamtzahl belief sich im Jahr 2020 auf 23.170.52 Auf die Rheinstaaten entfallen 75%, auf die Donaustaaten 15% und auf Unternehmen in Staaten außerhalb des Rhein- und Donauraums 10%.
  •  

    ABBILDUNG 3: ANZAHL DER BESCHÄFTIGTEN IM GÜTERVERKEHR DER BINNENSCHIFFFAHRT IN EUROPA#


    Quelle: Eurostat [sbs_na_1a_se_r2]
    #Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2020, außer für die mit * gekennzeichneten Länder, für die sich die Daten auf das Jahr 2019 beziehen.
    Es ist zu beachten, dass die Zahlen, die von nationalen Arbeitsmarktinstitutionen oder von anderen nationalen Ämtern stammen, aufgrund unterschiedlicher statistischer Arbeitsmarktkonzepte von den Zahlen von Eurostat abweichen können. Für länderübergreifende Vergleiche wird jedoch Eurostat als bevorzugte Quelle herangezogen, da die Daten länderübergreifend harmonisiert und somit vergleichbar sind.

 

UNTERNEHMEN UND BESCHÄFTIGUNG IM PASSAGIERVERKEHR

 

  • Die Unternehmen im Passagierverkehr der Binnenschifffahrt in Europa (insgesamt 4.211 Unternehmen) sind in drei verschiedenen Segmenten tätig: Flusskreuzfahrten, Tagesausflüge auf Flüssen, Kanälen und Seen, Fähren für den Pendler- und Touristenverkehr. Der NACE-Sektor H50.30 mit der Bezeichnung „Passagierverkehr in der Binnenschifffahrt“ bildet die Grundlage für die vorgelegten Eurostat-Daten und umfasst alle oben genannten Tätigkeiten.
  • Dieser breite Anwendungsbereich des NACE-Sektors H50.30 ist auch der Grund dafür, dass Italien an erster Stelle steht, was die Zahl der Passagierschiffe in der Binnenschifffahrt angeht. Italien hat viele Seen im nördlichen Teil des Landes, auf denen viele Tagesausflugsschiffe verkehren. Auch die zahlreichen Kanalboote in Venedig spielen eine wichtige Rolle. Die Passagierbeförderung auf Flüssen wie dem Po ist jedoch aufgrund der vielen flachen Flussabschnitte auf dem Po derzeit nicht sehr hoch. Niederländische Unternehmen stehen an zweiter Stelle. Die Zahl der niederländischen Unternehmen ist hoch, weil es in den niederländischen Städten zahlreiche Tagesausflugsschiffe und Fährunternehmen gibt.
  •  

    ABBILDUNG 4: ANZAHL DER UNTERNEHMEN IM PASSAGIERVERKEHR DER BINNENSCHIFFFAHRT IN EUROPA *


    Quellen: Eurostat [sbs_na_1a_se_r2] und Bundesamt für Statistik (CH)
    * Die Daten beziehen sich auf 2019.

     

  • Die Gesamtzahl der Beschäftigten im Passagierverkehr der europäischen Binnenschifffahrt belief sich im Jahr 2020 auf 21.023 und war damit niedriger als das Beschäftigungsniveau im Güterverkehr. In den Vorjahren war die Zahl der Beschäftigten im Passagierverkehr der Binnenschifffahrt höher als im Güterverkehr. Die Erklärung für diese Veränderung ist die Covid-Krise, die zu einem starken Rückgang im Passagierverkehr führte und sich auf die Beschäftigung auswirkte. Der Beschäftigungsrückgang belief sich 2020 auf 9% (Jahresrate im Vergleich zu 2019), basierend auf Eurostat-Daten.
  •  

    ABBILDUNG 5: ANZAHL DER BESCHÄFTIGTEN IM PASSAGIERVERKEHR DER BINNENSCHIFFFAHRT IN EUROPA #


    Quelle: Eurostat [sbs_na_1a_se_r2]
    # Die Daten beziehen sich auf 2020, mit Ausnahme der mit * (2019) und ** (2018) gekennzeichneten Fälle.

     

  • Rund 63% aller Beschäftigten in der Passagierschifffahrt der EU sind in den Rheinstaaten tätig. Der Anteil der Donaustaaten beläuft sich auf 9%. Alle anderen europäischen Regionen zusammengenommen haben einen Anteil von 28%.

 

UMSATZ

 

    UMSATZ IM GÜTERVERKEHR DER BINNENSCHIFFFAHRT

     

  • Die Unternehmen im Güterverkehr der Binnenschifffahrt der EU (plus Schweiz) erwirtschafteten im Jahr 2020 einen Umsatz von rund 6,057 Milliarden Euro.
  • Auf die in den Rheinstaaten registrierten Binnenschifffahrtsunternehmen entfielen 5,502 Milliarden Euro. Diese Zahlen gelten für das Jahr 2020, außer für Frankreich (2018) und die Niederlande (2019).
  •  

    TABELLE 1: NETTOUMSATZ IM GÜTERVERKEHR DER BINNENSCHIFFFAHRT IN DEN RHEINSTAATEN *

     Nettoumsatz in Millionen Euro
    Niederländische Unternehmen 3.314
    Deutsche Unternehmen1.525
    Französische Unternehmen 397
    Belgische Unternehmen135
    Schweizer Unternehmen131
    Rheinstaaten5.502

    Quellen: Eurostat [sbs_na_1a_se_r2], Centraal Bureau voor de Statistiek (NL)
    * Alle Werte beziehen sich auf 2020, außer für französische Unternehmen (2018) und niederländische Unternehmen (2019). Der Wert für niederländische Unternehmen ist eine Schätzung, die auf Informationen von CBS beruht, wonach 92% des Gesamtumsatzes in der Binnenschifffahrt auf den Güterverkehr entfallen.

     

  • Der Umsatz der in den Donaustaaten registrierten Güterverkehrsunternehmen der Binnenschifffahrt belief sich im Jahr 2020 auf 398 Millionen Euro.
  •  

    TABELLE 2: NETTOUMSATZ IM GÜTERVERKEHR DER BINNENSCHIFFFAHRT IN DEN DONAUSTAATEN IM JAHR 2020

     Nettoumsatz in Millionen Euro
    Serbische Unternehmen109
    Rumänische Unternehmen107
    Slowakische Unternehmen80
    Ungarische Unternehmen47
    Bulgarische Unternehmen29
    Österreichische Unternehmen23
    Kroatische Unternehmen3
    Donaustaaten398

    Quelle: Eurostat [sbs_na_1a_se_r2]
     

  • Der Umsatz der in der Binnengüterschifffahrt tätigen und in europäischen Regionen außerhalb des Rhein- und Donauraums ansässigen Unternehmen belief sich im Jahr 2020 auf 157 Millionen Euro.
  •  

    UMSATZ IM PASSAGIERVERKEHR DER BINNENSCHIFFFAHRT

     

  • Für die Unternehmen im Passagierverkehr der Binnenschifffahrt in der EU (plus Schweiz) kann der Gesamtumsatz nicht angegeben werden, da in der SUS-Datenbank von Eurostat viele Werte fehlen.
  • Für die Rheinstaaten liegen teilweise verfügbare und teilweise geschätzte Werte vor, die auf einen finanziellen Nettoumsatz von rund 1,217 Milliarden Euro im Jahr 2020 hindeuten.
  •  

    TABELLE 3: NETTOUMSATZ IM PASSAGIERVERKEHR DER BINNENSCHIFFFAHRT IN DEN RHEINSTAATEN IM JAHR 2020 *

     Nettoumsatz in Millionen Euro
    Schweizer Unternehmen521
    Deutsche Unternehmen301
    Niederländische Unternehmen **288
    Französische Unternehmen #87
    Belgische Unternehmen20
    Rheinstaaten1.217

    Quellen: Eurostat [sbs_na_1a_se_r2], Centraal Bureau voor de Statistiek (NL)
    * Alle Werte für 2020, außer für niederländische Unternehmen (2019).
    ** Der Wert für niederländische Unternehmen wurde basierend auf Informationen von CBS geschätzt, wonach 8% des Gesamtumsatzes in der Binnenschifffahrt auf den Passagierverkehr entfallen.
    # Der Wert für französische Unternehmen wurde auf der Grundlage des Rückgangs des INSEE-Umsatzindex im Jahr 2020 im Vergleich zu 2018 für Frankreich geschätzt (https://www.insee.fr/fr/statistiques/serie/010543475#Tableau).

     

  • Für Unternehmen in den Donaustaaten zeigen die Umsatzdaten für 2020 folgende Werte: Österreich (49 Millionen Euro), Rumänien (8 Millionen Euro), Serbien (2 Millionen Euro), Slowakei (1 Million Euro), Kroatien (0,4 Millionen Euro). Fehlende Daten in der Eurostat-Datenbank für Bulgarien und Ungarn sind der Grund dafür, dass eine tabellarische Übersicht nicht erstellt werden kann.
  • Die niedrigeren Umsatzwerte der Unternehmen im Donauraum lassen sich vor allem durch zwei Faktoren erklären. Erstens muss das niedrigere Lohnniveau in diesen Ländern berücksichtigt werden. Laut der SUS-Datenbank von Eurostat gehören Rumänien, Serbien und Kroatien zu den vier Ländern mit den niedrigsten durchschnittlichen Personalkosten pro Jahr je Beschäftigten in der europäischen Binnenschifffahrt (das vierte Land ist Bulgarien, für das keine Umsatzdaten vorliegen). Niedrigere Löhne bedeuten niedrigere Gesamtkosten, insbesondere im Passagierverkehr, der recht personalintensiv ist. Niedrigere Kosten implizieren wiederum ein geringeres Preisniveau und damit auch geringere Umsatzzahlen.
  • Eine zweite Erklärung, die in Betracht gezogen werden kann, ist die geringere Gesamtaktivität der im Donauraum ansässigen Unternehmen im Passagierverkehr. Die Flusskreuzfahrt beispielsweise wird hauptsächlich von Unternehmen aus Westeuropa durchgeführt, auch auf der Donau.
  • Zwei Länder in Europa außerhalb des Rhein- und Donauraums mit einem beachtlichen Umsatzniveau sind Italien (302 Millionen Euro im Jahr 2020) und Schweden (98 Millionen Euro im Jahr 2020). Zusammen mit Portugal (19 Mio. Euro im Jahr 2020) und Spanien (13 Mio. Euro im Jahr 2020) hatte diese Ländergruppe im Jahr 2020 einen Anteil von 23% am Gesamtumsatz des Passagierverkehrs der Binnenschifffahrt in Europa.

 

INSOLVENZEN

 

  • Daten über Insolvenzen in der Binnenschifffahrt sind auf Eurostat-Ebene nicht verfügbar. Für die Niederlande sind sie nur auf der Ebene des niederländischen Statistikamtes (CBS) verfügbar.
  •  

    ABBILDUNG 6: ANZAHL DER INSOLVENZEN IN DER BINNENSCHIFFFAHRT IN DEN NIEDERLANDEN


    Quelle: Centraal Bureau voor de Statistiek (NL)
     

  • Die Daten zeigen nur einen geringfügigen Zuwachs in der Zahl der Insolvenzen im Passagierverkehr in den Jahren 2020 und 2021. Bei den Güterverkehrsunternehmen lassen die Daten keine Auswirkungen der Covid-Krise erkennen.
  • Ein Grund für dieses Ergebnis könnte in den staatlichen Beihilferegelungen liegen, die von den Regierungen im Jahr 2020 eingeführt wurden. In den Niederlanden hatten selbstständige Unternehmer Zugang zu Einkommensbeihilfen sowie zu einem Darlehen für Betriebskapital zu einem Zinssatz unterhalb des Marktniveaus.53
  • Neben den öffentlichen Akteuren trugen auch die Banken dazu bei, den Binnenschifffahrtssektor finanziell über Wasser zu halten. Die Aussetzung von Darlehenstilgungen für Binnenschifffahrtsunternehmen, die zwar grundsätzlich „gesund“ waren, sich aber aufgrund von Covid in finanziellen Schwierigkeiten befanden, war eine solche Maßnahme, die Anfang 2020 von mehreren Banken in den Niederlanden ergriffen wurde.54