• Deutschland (913), die Niederlande (510), Frankreich (365), Italien (352) und die Schweiz (255) verzeichnen die höchste Anzahl von Tagesausflugsschiffen in Europa.

• Tagesausflugsschiffe sind ein wichtiges Feld für die Einführung neuer, sauberer Technologien. Zum Beispiel wurde 2018 auf der Seine in Paris ein Tagesausflugsschiff mit einer Länge von 38 Metern eingeführt, ausgestattet mit einem zu 100% elektrischen Antrieb.

• Allgemein ist die Anzahl der Tagesausflugsschiffe in den Rheinstaaten ziemlich stabil. In großen Städten weist die Größe der Flotte meist einen steigenden Trend auf.

 

 

EINFÜHRUNG

 

  • Die Passagierschifffahrt auf Binnenwasserstraßen hat drei Hauptbranchensegmente: Flusskreuzfahrten, Tagesausflüge auf Flüssen/Kanälen (einschließlich Fährverkehr) und Tagesausflugsfahrten auf Seen. Laut Eurostat [sbs_na_1a_se_r2] sind die fünf Länder in Europa mit dem höchsten Umsatz in der Passagierschifffahrt (Anteil des europäischen Umsatzes in Prozentpunkten): die Schweiz (23,3%), Deutschland (20,3%), Italien (15,5%), Frankreich (13,9%) und die Niederlande (8,4%). Laut den Definitionen von Eurostat enthält der Umsatz in der Passagierschifffahrt auf Binnenwasserstraßen Umsatz, der von Flusskreuzfahrtschiffen, Tagesausflugsschiffen auf Flüssen/Kanälen und Fähren und Tagesausflugsschiffen auf Seen generiert wird. Getrennte Umsatzzahlen sind nicht verfügbar.
  • Es gibt aktuell keine Eurostat-Daten über die Zahl der Passagierschiffe oder über die Zahl der Passagiere auf Binnenwasserstraßen (Im Jahr 2019 startete Eurostat mit Pilotstudien, um in der Zukunft Datenbanken zu entwickeln). Daher wurde eine statistische Analyse der nationalen Datenbanken der europäischen Staaten durchgeführt und ermittelt, dass die Schweiz, Deutschland, Italien, Frankreich und die Niederlande nicht nur den höchsten Umsatz aller europäischen Staaten erzielen, sondern auch die höchste Anzahl an Tagesausflugsschiffen (auf Flüssen/Kanälen und Seen zusammengenommen, einschließlich Fähren) besitzen.
  • Für Deutschland, Italien, die Niederlande, Frankreich und die Schweiz sind eigene Schiffsdatenbanken für Tagesausflugsschiffe verfügbar. Für andere Länder, in Mittel- und Osteuropa, wird von den Statistikämtern oder Verwaltungen nur die Gesamtzahl der Passagierschiffe angegeben. Dennoch kann auch für diese Länder auf indirekte Weise die Zahl der Tagesausflugsschiffe bestimmt werden, indem die Zahl der Flusskreuzfahrtschiffe für jedes europäische Land (siehe das Kapitel über Flusskreuzfahrten) berücksichtigt wird.
  • Durch diese indirekte Berechnung ergeben sich die Daten zu Tagesausflugsschiffen in Polen, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Ungarn und Rumänien wie folgt: von 117 Passagierschiffen in Polen, sind 116 Tagesausflugsschiffe. Die Zahl der Passagiere betrug im Jahr 2017 1,26 Millionen, im Vergleich zu 1,28 Millionen im Jahr 2016 und 1,1 Millionen im Jahr 2015.
  • In der Tschechischen Republik gab es im Jahr 2017 88 Passagierschiffe, im Vergleich zu 85 im Jahr 2016 und 78 im Jahr 2015. Von den 88 Passagierschiffen, die 2017 in der Tschechische Republik registriert waren, sind 87 Tagesausflugsschiffe und eines ist ein Kreuzfahrtschiff. In der Slowakei, einem Land mit wenigen Seen, sind aktuell weniger als 20 Passagierschiffe registriert.
  • Die Passagierschiffe in Ungarn, der Slowakei und Rumänien sind alle Tagesausflugsschiffe, da keines dieser Länder über ein Flusskreuzfahrtschiff verfügt (siehe das Kapitel über Flusskreuzfahrten). Ungarn besitzt eine ziemlich hohe Zahl an Tagesausflugsschiffen (132 im Jahr 2017), auf der Donau und dem Balaton. Die Zahl der Tagesausflugspassagiere auf der Donau ging in den vergangenen Jahren von 709 000 Passagieren im Jahr 2005 auf 216 000 Passagiere im Jahr 2016 wegen eines Anstiegs bei den Ticketpreisen zurück. Die Zahl der Passagiere auf dem See Balaton jedoch blieb über die Jahre ziemlich konstant und betrug 531 000 Passagiere im Jahr 2016 (Quelle: Daten bereitgestellt vom ungarischen Statistikamt). In Rumänien waren in den Jahren 2016 und 2017 75 Passagierschiffe registriert, 65 im Jahr 2015 (Quelle: Rumänisches Statistikinstitut).
  • Kurze Profile der fünf größten Länder nach der Anzahl der registrierten Tagesausflugsschiffe in Europa:

 

 

  • Deutschland besitzt nicht nur viele Flüsse, sondern auch viele Seen, besonders in der Nähe der Alpen und in den nordöstlichen Teilen des Landes. Es sind jedoch weniger Seenschiffe registriert als in der Schweiz oder Italien. Andererseits ist die Anzahl der Tagesausflugsschiffe, die auf Flüssen oder Kanälen in Deutschland aktiv sind, die höchste in Europa.

 

 

  • Das Land hält im Segment Tagesausflugsschiffe eine wichtige Position, seine Bedeutung wird vielleicht am besten an den berühmten Tagesausflugsschiffen in Amsterdam sichtbar. Die Altersstruktur der niederländischen Tagesausflugsschiffe ist der der deutschen Tagesausflugsschiffe auf Flüssen und Kanälen sehr ähnlich.

 

 

  • Die drei Segmente der Passagierschifffahrt sind in Frankreich alle vorhanden, aber das Segment Fluss ist am bedeutendsten. Tagesausflugsschiffe in Paris transportieren beispielsweise mehr als 7 Millionen Passagiere pro Jahr. Paris hat einen Anteil von 70% der auf französischen Tagesausflugsschiffen beförderten Passagiere.

 

 

  • Die Schweiz hat die größte Anzahl an Tagesausflugsschiffen auf Seen in Europa. Tagesausflugsschiffe auf Flüssen spielen dagegen nur eine sehr kleine Rolle. Tagesausflugsschiffe im Linienverkehr auf Seen sind in das öffentliche Personenbeförderungssystem integriert. Mehr als 11 Millionen Passagiere werden jedes Jahr auf diesen Schiffen gezählt.

 

 

  • Der stärkste Fokus des Landes hinsichtlich der Passagierschifffahrt liegt im Segment See: Italien besitzt die zweithöchste Zahl an Tagesausflugsschiffen, die seine Seen befahren. Die Nachfrageanalyse zeigt, dass die Zahl der Passagiere in diesem Segment ebenso hoch ist wie in der Schweiz. Trotz der Tatsache, dass Tagesausflugsschiffe auf Flüssen nur eine relativ geringe Rolle spielen, ist darauf hinzuweisen, dass die Passagierschifffahrt auf den Kanälen Venedigs für die Wirtschaft Italiens nicht vernachlässigbar ist (161 Schiffe sind in Venedig aktiv).

 

TAGESAUSFLUGSSCHIFFE AUF FLÜSSEN UND KANÄLEN

 

 

  • Die beiden größten deutschen Städte, Berlin und Hamburg, spielen in diesem Segment eine wichtige Rolle, ebenso wie der Rhein. In Berlin waren im Jahr 2017 127 Tagesausflugsschiffe mit einem Heimathafen in Berlin registriert und diese werden auf der Havel und der Spree ebenso betrieben wie auf den Kanälen in und um Berlin. Hamburg folgt knapp dahinter, mit 105 Schiffen auf Alster und Elbe. Berlin und Hamburg sind auch die beiden deutschen Regionen, in denen die Anzahl der registrierten Tagesausflugsschiffe während der vergangenen zehn Jahre am stärksten gestiegen ist: zwischen 2007 und 2017 stieg die Zahl der Tagesausflugsschiffe um 25 in Hamburg, und um 14 in Berlin. Hinsichtlich der Kapazität (Passagierplätze) verzeichnete Hamburg zwischen 2007 und 2017 das stärkste Wachstum (+26%) in Deutschland.
  • In diesem Marktsegment wurde die Saison von einem „Ostern bis Oktober“-Modell ausgeweitet, indem auch vor Weihnachten Bootsfahrten angeboten werden. Dies hatte nicht nur einen positiven Effekt auf den Umsatz, sondern auch auf die in diesem Sektor beschäftigten Personen, die nun meist eine Festanstellung erhalten, im Vergleich zu saisonalen Arbeitsverträgen in der Vergangenheit.
  • Grundsätzlich sind Tagesausflugsschiffe auch ein wichtiges Feld für die Einführung neuer, sauberer Technologien. Schiffseigner bevorzugen derzeit eher die Ersetzung oder die Umwandlung bestehender Tagesausflugsschiffe als den Neubau. Dies wird etwa durch die Verschärfung der neuen europäischen technischen Anforderungen (von 2008 bis 2018) erklärt, aber auch durch die große Ungewissheit in Bezug auf alternative Antriebssysteme im Hinblick auf die Umweltvorschriften in urbanen Zentren.

 

ANZAHL AN TAGESAUSFLUGSSCHIFFEN AUF FLÜSSEN UND KANÄLEN IN DEUTSCHLAND PRO REGION

Quelle: ZKR-Auswertung basierend auf deutscher Schiffsdatenbank (ZBBD)

 

  • Der Rhein zählt insgesamt 31 155 Passagierplätze. Dabei hält der romantische Mittelrhein (berühmt für seine Burgen und kleinen Städte) 55% dieser Kapazitäten, der Niederrhein (mit großen Städten wie Köln und Düsseldorf) 40% und der Oberrhein 5%.
  • Im Vergleich dieser Zahlen mit der Grafik zur Anzahl der Schiffe oben, kann festgestellt werden, dass die durchschnittliche Zahl an Passagierplätzen pro Tagesausflugschiff sich von Region zu Region unterscheidet. Rheinschiffe haben eine ziemlich große Durchschnittskapazität von 266 Plätzen, ähnlich den Schiffen auf der Mosel und der Saar (279). Donauschiffe sind die größten, mit einem Durchschnitt von 347 Passagierplätzen im Jahr 2017.
  • In Berlin (168) und Hamburg (187) sind die Tagesausflugsschiffe wesentlich kleiner, auf Grund der begrenzten Größe der Wasserstraßen, Schleusen und der niedrigen Brücken in den Städten (beispielsweise die Brücken in der Speicherstadt in Hamburg, erbaut im Jahr 1888).

 

DEUTSCHE REGIONEN MIT HÖHEREN KAPAZITÄTEN DER TAGESAUSFLUGSSCHIFFE (PASSAGIERPLÄTZE) IM JAHR 2017 IM VERGLEICH ZUM JAHR 2007, EINSCHLIESSLICH WACHSTUMSRATE (%)

Quelle: Berechnung ZKR basierend auf deutscher Schiffsdatenbank (ZBBD)

 

 

 

  • In den Niederlanden stellen Tagesausflugsschiffe einen integralen Teil des Tourismus dar, besonders in Amsterdam mit seinen kleinen Kanälen (Grachten), einem UNESCO Weltkulturerbe seit 2010. Laut der Stadt Amsterdam (https://amsterdam.org/nl/feiten-en-cijfers.php) existieren in der Stadt 165 dieser Kanäle mit einer Gesamtlänge von 75 km. Die älteste Gracht datiert von 1385. Es gibt 14 Schleusen im Netz und 1 282 Brücken; laut Informationen der Stadt summiert sich die Zahl der rondvaartboten (Tagesausflugsschiffe) in Amsterdam auf 110.
  • Nach der Schiffsdatenbank IVR sind in Amsterdam mehr Tagesausflugsschiffe aktiv: 143 Tagesausflugsschiffe (Die folgenden Schiffstypen in der Datenbank IVR wurden hierbei in Betracht gezogen: Tagesausflugsschiffe, Passagierschiffe des Amsterdamer Typs, Passagierfähren und Passagierschiffe < 45 m) in der Datenbank IVR haben Amsterdam als Heimathafen oder sind im Besitz von Unternehmen, die ihren Hauptsitz in Amsterdam haben. Diese 143 Schiffe stellen 28% der Gesamtzahl an Tagesausflugsschiffen im Land dar.
  • Der Vergleich mit der Altersstruktur der deutschen Tagesausflugsschiffe (auf Flüssen/Kanälen) fördert ein ähnliches Gesamtbild zutage (siehe folgende Grafik). Die Daten der Baujahre (Quelle: IVR) zeigen, dass nur ein sehr kleiner Teil der niederländischen Tagesausflugsschiffe nach 2009 gebaut wurde, was dadurch erklärt wird, dass Schiffseigner aktuell die Ersetzung oder Umwandlung bestehender Tagesausflugsschiffe eher bevorzugen als den Neubau.

 

ALTERSSTRUKTUR DER TAGESAUSFLUGSSCHIFFE AUF FLÜSSEN ODER KANÄLEN IN DEN NIEDERLANDEN UND IN DEUTSCHLAND (%)

Quelle: ZKR-Auswertung basierend auf der Datenbank IVR (NL) und ZBBD (DE)

 

  • In Bezug auf die Nachfrage gibt es keine offiziellen Daten zu den Passagieren, die im ganzen Land befördert werden, aber es gibt Zahlen, die von der Stadt Amsterdam bereitgestellt wurden.

 

ANZAHL DER PASSAGIERE AUF TAGESAUSFLUGSSCHIFFEN IN AMSTERDAM (IN MILLIONEN PERSONEN)

Quelle: Stadt Amsterdam (Kerncijfers Amsterdam)

 

  • Seit 2010 wird ein ansteigender Trend beobachtet. Der Höhepunkt im Jahr 2016 hängt mit einem starken Rückgang in einer anderen europäischen Hauptstadt zusammen – Paris. Tatsächlich ging die Passagierschifffahrt in Paris und der umliegenden Region Ile-de-France im Jahr 2016 stark zurück, hauptsächlich wegen der Terrorangriffe. Die kombinierten Ergebnisse für beide Städte zeigen, dass Krisensituationen eine Auswirkung auf das Verhalten der Touristen besitzen, die dann dazu neigen, den Zielort zu wechseln.

 

 

  • Die Durchschnittskapazität pro Schiff unterscheidet sich erheblich zwischen Paris (233 Passagierplätze) und allen anderen Teilen Frankreichs (78). Auf nationaler Ebene, mit einem Durchschnittswert von 130, sind daher die großen Unterschiede in der Größe der Schiffe und in den touristischen Konzepten verborgen.

 

ANZAHL AN TAGESAUSFLUGSSCHIFFEN AUF FLÜSSEN UND KANÄLEN IN FRANKREICH PRO REGION

Quelle: Voies Navigables de France (VNF)

 

  • Der Anteil von Paris und der umliegenden Region Ile-de-France beträgt bezüglich der Anzahl der Schiffe 34%, 61% hinsichtlich der Kapazität (Passagierplätze) und 70% bezüglich der beförderten Passagiere. Dies bestätigt nicht nur die größere Kapazität, sondern auch den höheren Nutzungsgrad der Pariser Tagesausflugsschiffe. Mehr als die Hälfte aller Passagiere in Paris (61%) waren im Jahr 2017 ausländische Touristen, während dieser Anteil im Jahr 2014 nur bei 54% lag.
  • Die folgende Tabelle zur Passagiernachfrage in Paris zeigt den starken Rückgang der Passagiere in Folge der Terrorangriffe in Paris in Jahr 2015 und 2016, wie oben erwähnt. Die Passagiere scheinen nach diesen Krisenjahren nun zurückgekehrt zu sein. Dies gilt auch für die Flusskreuzfahrtschiffe in Paris (siehe das Kapitel über Flusskreuzfahrten)

 

ANZAHL DER PASSAGIERE AUF TAGESAUSFLUGSSCHIFFEN IN PARIS UND DER REGION ILE-DE-FRANCE (IN MILLIONEN PERSONEN)

Quelle: Voies Navigables de France (VNF)

 

  • In Paris sollten auch einige neue Entwicklungen der Flotte erwähnt werden: Trimarane mit elektrischem Antrieb wurden entwickelt, ausgestattet mit Audio-Guides (anstatt von Lautsprechern) in 14 Sprachen, darunter die Sprachen dreier BRIC-Staaten (Hindi, Russisch, Chinesisch).
  • Innovation kennt keine Grenzen. Im Jahr 2018 wurde ein neues 38 Meter langes Schiff für die Seine in Paris in Betrieb genommen, zu 100% elektrisch angetrieben (kein Lärm, keine Vibration), das ein Restaurant mit einem Michelin-Stern beherbergt. Der Preis für ein Mittagessen mit drei Gängen liegt bei 100 Euro, bis zu 500 Euro kostet ein Dinner mit fünf Gängen, Wein inklusive (Siehe den Artikel in Le Parisien (30. August 2018): Alain Ducasse lance son navire ecolo et gastronomique sur la Seine. [Alain Ducasse nimmt sein ökologisches Restaurantschiff auf der Seine in Betrieb]). Der steigende Anteil von ziemlich wohlhabenden ausländischen Touristen aus den BRIC-Staaten auf den Schiffen in Paris unterstützt die Geschäftsidee des Unternehmens.
  • Alle anderen französischen Regionen zusammen beherbergten im Jahr 2017 auf ihren Schiffen 3,2 Millionen Touristen. Darunter sind auch 0,77 Millionen Passagiere auf Tagesausflugsschiffen in Straßburg (Quelle: Batorama). Die Flotte in Straßburg umfasst 10 Schiffe im Jahr 2019, jedes mit einer Kapazität von 90-100 Plätzen. Das Unternehmen Batorama plant weitere kleine Schiffe zu erwerben, sogenannte „Fluss-Taxis“ für luxuriöse Entdeckungstrips in kleinen Gruppen. Neben anderen Projekten, die das Unternehmen leitet, hat es seit 2014 eine Stadttour organisiert, die einen Besuch des europäischen Parlaments einschließt.

 

ANZAHL DER PASSAGIERE AUF TAGESAUSFLUGSSCHIFFEN IN DEN RESTLICHEN REGIONEN FRANKREICHS (IN MILLIONEN PERSONEN)

Quelle: Voies Navigables de France (VNF)

 

TAGESAUSFLUGSSCHIFFE AUF SEEN

 

 

  • In der Schweiz gehören 150 Tagesausflugsschiffe (von den 142 auf Seen aktiv sind) zur Kategorie der öffentlichen Verkehrsmittel. Dies bedeutet, dass diese Schiffe der Öffentlichkeit zugänglich sind, einem festen Fahrplan folgen und daher eine eidgenössische Lizenz benötigen (Quelle: Daten bereitgestellt vom Schweizer Bundesamts für Statistik. Die große Mehrheit der Tagesausflugsschiffe in der Schweiz ist auf Seen aktiv. Acht Schiffe sind auf dem Schweizer Abschnitt des Rheins aktiv und zwei auf der Rhone). Die Unternehmen, die diese Schiffe besitzen und betreiben, können öffentliche oder private Unternehmen sein. Auf Grund des Linienverkehrs (normale Fahrpläne für den Verkehrsbetrieb) kann für diese Schiffe eine gewisse Überschneidung zwischen touristischer und öffentlicher Passagierschifffahrt angenommen werden. Ihre Zahl blieb seit dem Jahr 2000 relativ stabil (Quelle: Schweizer Bundesamts für Statistik).
  • Die zweite Gruppe der Tagesausflugsschiffe in der Schweiz folgt keinem festen Fahrplan, wird aber ganz zu touristischen Zwecken ebenfalls für Tagesausflüge genutzt. Laut dem Bundesamt für Statistik sind aktuell 105 dieser Schiffe auf Schweizer Seen aktiv. Diese beiden Gruppen öffentlicher und privater Tagesausflugsschiffe bilden die gesamte Tagesausflugsschiffflotte auf den Seen in der Schweiz (insgesamt 247 Schiffe). Der Aktivitätsbereich der 142 Schiffe im Linienverkehr (öffentlicher Verkehr) wird in der folgenden Abbildung gezeigt.

 

ANZAHL DER SCHIFFE AUF SEEN IN DER SCHWEIZ IM LINIENVERKEHR (2018)

Quelle: Schweizer Bundesamt für Verkehr und Bundesamt für Statistik

 

  • Unter den 142 Schiffen im Linienverkehr gibt es 16 Dampfschiffe, von den acht auf dem Genfer See, fünf auf dem Vierwaldstättersee und die verbleibenden fünf auf dem Zürichsee, Thunersee, Neuenburger See und Brienzersee aktiv sind. Drei der acht Dampfschiffe auf dem Genfer See wurden jetzt mit dieselelektrischen Antrieben ausgestattet, die Schaufelräder antreiben.
  • Bezüglich der Anzahl der Passagiere erfasst das Bundesamt für Statistik Daten zur Anzahl der Passagiere, die auf den 142 Schiffen im Linienverkehr befördert werden, aber nicht für die Schiffe, die keinem festen Fahrplan folgen. Das Amt gibt an, dass die Anzahl der von der ersten Schiffsgruppe beförderten Passagiere wesentlich höher ist, als die der zweiten Schiffsgruppe.
  • Die Passagierzahlen für die Schweiz können mit der Anzahl der auf Seenschiffen in Italien beförderten Passagiere (auch Schiffe im Linienverkehr) verglichen werden, die im nächsten Teil dieses Berichts präsentiert werden. Die Ergebnisse zeigen eine sehr ähnliche Zahl an Passagieren in beiden Ländern, aber für das Jahr 2012 kann in Italien ein Einbruch beobachtet werden, möglicherweise auf Grund der wirtschaftlichen Krise.

 

ANZAHL DER DURCH SCHIFFE AUF SEEN (LINIENVERKEHR) BEFÖRDERTEN PASSAGIERE IN DER SCHWEIZ (IN MILLIONEN PERSONEN)

Quelle: Schweizer Bundesamt für Statistik

 

 

  • Laut dem italienischen Verkehrsministerium gab es im Jahr 2016 138 Schiffe auf italienischen Seen, die einem regelmäßigen Linienverkehr folgten, was dem Linienverkehr in der Schweiz entspricht. Aktuelle Zahlen für die Schiffe, die nicht in einem regelmäßigen Linienverkehr betrieben werden sind nicht verfügbar, aber die letzten verfügbaren Zahlen deuten auf eine Anzahl von rund 53 für diesen Schiffstyp hin (Zahl für 2009, Quelle: Italienisches Verkehrsministerium).
  • Die drei Seen Lago Maggiore, Comer See und Gardasee versammeln 71% aller italienischen Seenschiffe, die im Linienverkehr betrieben werden. Die Anzahl der Schiffe blieb in den vergangenen Jahren relativ konstant.

 

ANZAHL DER IM LINIENVERKEHR AUF SEEN AKTIVEN SCHIFFE IN ITALIEN, NACH REGION (2016)

Quelle: Italienisches Verkehrsministerium (Conto Nazionale delle Infrastrutture et Trasporto)

 

  • Die Gesamtzahl der Passagiere im Linienverkehr (11,4 Millionen Passagiere) ist entsprechend der Kapazitäten auf den Seen recht logisch verteilt.

 

ANZAHL DER PASSAGIERE AUF SEENSCHIFFEN IM LINIENVERKEHR IN ITALIEN, NACH REGION (IN MILLIONEN PERSONEN)

Quelle: Italienisches Verkehrsministerium (Conto Nazionale delle Infrastrutture et Trasporto)

 

  • Wie bereits erwähnt, brach die Nachfrage auf Seeschiffen in Italien im Jahr 2012 erheblich ein, konnte anschließend aber wieder zulegen. Dies könnte durch die Wirtschaftskrise in den Jahren 2011 und 2012 erklärt werden, die sich auf die italienische Wirtschaft stärker auswirkte als auf die Schweizer Wirtschaft.

 

ANZAHL DER DURCH SCHIFFE AUF SEEN (LINIENVERKEHR) BEFÖRDERTEN PASSAGIERE IN ITALIEN (IN MILLIONEN PERSONEN)

Quelle: Italienisches Verkehrsministerium (Conto Nazionale delle Infrastrutture et Trasporto)

 

 

  • Die Hotspots der Tagesausflugsschiffe auf Seen in Deutschland sind die Regionen im Süden mit den bayerischen Seen (Chiemsee, Starnberger See, Ammersee, Königsee, usw.) und dem Bodensee, der ein internationaler See ist, geteilt von Deutschland, der Schweiz und Österreich. Die Seen in Bayern verfügten über 54 Schiffe in 2017 mit einer Gesamtkapazität von fast 14 000 Passagierplätzen. Sie stellen 45% der Gesamtkapazität (Passagierplätze) in Deutschland dar. Die Durchschnittskapazität eines Seenschiffs in Bayern liegt bei 259 Sitzen.
  • Die Schiffe auf dem Bodensee und anderen Seen im südwestlichen Bundesland Baden-Württemberg sind sogar noch größer, mit einer Durchschnittskapazität von 343 Passagierplätzen. Seenschiffe in den nordöstlichen Landesteilen Deutschlands (Seenplatte in Brandenburg und Mecklenburg) sind deutlich kleiner mit einer Durchschnittskapazität von nur 57 Passagierplätzen.

 

ANZAHL DER SCHIFFE AUF SEEN IN DEUTSCHLAND NACH REGION (2017)

Quelle: ZKR-Auswertung basierend auf deutscher Schiffsdatenbank

 

  • In Bayern müssen einige Unternehmen einen regelmäßigen Fährverkehr zu Inseln in bestimmten Seen gewährleisten. Das Gleiche gilt für Seen, Flüsse und Küstenbereiche in anderen deutschen Bundesländern (z. B. Hamburg, Mecklenburg, Berlin). Abgesehen von diesen Dienstleistungen werden die Betriebe der Passagierschifffahrt nicht als Teil des öffentlichen Personenverkehrs angesehen.

 

 

UMFRAGE UNTER UNTERNEHMEN DIE IN DER TAGESAUSFLUGSSCHIFFFAHRT AKTIV SIND

 

Einführung

 

  • Ein Fragebogen wurde entwickelt und an 201 Unternehmen der Tagesausflugsschifffahrt gesendet (Der Fragebogen ist auf Nachfrage verfügbar). Der vollständige Fragebogen wurde von 55 Unternehmen zurückgeschickt (Antwortrate = 27,4%). Der Fragebogen enthielt verschiedene Fragen zu wirtschaftlichen Trends im Sektor Tagesausflugsschifffahrt, zu Investitionsplänen, Greening-Maßnahmen, kurz- und langfristigen Einflussfaktoren auf der Nachfrageseite, usw.
  • Unternehmen in Deutschland hatten einen Anteil von 46% an den 201 Unternehmen, die kontaktiert wurden, und einen Anteil von 54% an allen Unternehmen, die den vollständigen Fragebogen zurücksandten. Unternehmen in den Niederlanden und in Frankreich hatten jeweils einen Anteil von 17,5% aller kontaktierten Unternehmen, und beide Länder wiesen denselben Anteil ausgefüllter Fragebögen (jeweils 14,5%) auf. Zwei weitere Rheinstaaten (Belgien und Schweiz) machten 7,3% aller ausgefüllten Fragebögen aus. Obwohl die Rheinstaaten rund 98% aller erhaltenen (ausgefüllten) Fragebögen darstellen, wurde der Fragebogen auch an Donaustaaten und Länder in Mittel- und Osteuropa gesandt. Nicht-Rheinstaaten hatten insgesamt einen Anteil von 12,4% an allen kontaktierten Unternehmen.
  • Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage werden in den Grafiken unten gezeigt. Die Idee ist, auch für zukünftige Marktberichte ähnliche Umfragen durchzuführen, die andere Marktsegmente, beispielsweise den Flüssiggüter- oder Trockengütersektor betreffen.

 

Hauptergebnisse der Umfrage

 

  • Es scheint, dass die beiden wichtigsten kurz- und mittelfristigen Faktoren für die Passagiernachfrage die eigenen Marketing- und Werbeaktivitäten der Unternehmen sind, dicht gefolgt vom Wetter. Die Zahl der Besucher in der Stadt oder in der Region ist weniger wichtig als diese beiden Hauptfaktoren. Dies könnte durch die Tatsache erklärt werden, dass in bestimmten Regionen die Passagiernachfrage hauptsächlich von der in der Region lebenden Bevölkerung selbst stammt.

 

BEDEUTUNG DER EINFLUSSFAKTOREN FÜR DIE KURZ- UND MITTELFRISTIGE PASSAGIERNACHFRAGE – KOMPRIMIERTE UMFRAGEERGEBNISSE (FRAGE 2)*

Quelle: ZKR Umfrage
* Zahlen im Diagramm zeigen die Anzahl der Unternehmen, die die Frage in der dargestellten Weise beantworteten.

 

  • Marketingaktivitäten anderer Organisationen wurden in der Umfrage als Aktivitäten spezifiziert, die durch Stadt, Region, Land/Bund oder Tourismusverbände, professionelle oder Wirtschaftsverbände durchgeführt werden. In der nächsten Abbildung wird deutlich, dass diese „externen“ Marketingaktivitäten für die langfristige Passagiernachfrage von Bedeutung sind.

 

BEDEUTUNG DER EINFLUSSFAKTOREN FÜR DIE MITTEL- UND LANGFRISTIGE PASSAGIERNACHFRAGE – KOMPRIMIERTE UMFRAGEERGEBNISSE (FRAGE 3)*

Quelle: ZKR Umfrage
* Zahlen im Diagramm zeigen die Anzahl der Unternehmen, die die Frage in der dargestellten Weise beantworteten.

 

  • Die mittel- und langfristige Passagiernachfrage nach Tagesausflugsschiffen ist ebenfalls stark von den eigenen Marketingaktivitäten der Unternehmen beeinflusst. Im Gegensatz zur kurzfristigen Perspektive spielen jedoch die Marketingaktivitäten anderer Organisationen bei der langfristigen Perspektive eine viel größere Rolle und finden sich auf dem zweiten Platz.
  • Neue thematische Fahrten und mehr Eventfahrten sind Faktoren, die denselben Einfluss zu haben scheinen. Die Zahl der ausländischen Touristen in der Stadt oder Region wird als wichtig angesehen, steht aber hinter den zuvor genannten Faktoren.
  • In einem weiteren Punkt (Frage 5) wurden die Unternehmen nach der Bedeutung von vier Einflussfaktoren auf ihr Investitionsverhalten befragt. Diese vier Einflussfaktoren wurden aus unterschiedlichen Feldern gewählt: dem wirtschaftlichen Bereich (Nachfragewachstum, Zugang zu externer Finanzierung oder Förderung), dem technischen Bereich (Zugang zu Onshore-Elektrizität) und dem regulatorisch/politischen Bereich, der auch viele technische Aspekte enthält.

 

BEDEUTUNG DER EINFLUSSFAKTOREN FÜR DAS INVESTITIONSVERHALTEN – KOMPRIMIERTE UMFRAGEERGEBNISSE (FRAGE 5)*

Quelle: ZKR Umfrage
* Zahlen im Diagramm zeigen die Anzahl der Unternehmen, die die Frage in der dargestellten Weise beantworteten.

 

  • Die Grafik zeigt eine wichtige Tendenz: der Zugang zu externen Finanz- oder Fördermitteln ist eine wichtige Vorbedingung für Investitionen.
  • Dies kann durch die Tatsache erklärt werden, dass viele Unternehmen der Tagesausflugsschifffahrt (und viele Binnenschifffahrtsunternehmen im Allgemeinen) eher kleine Unternehmen sind, die sich auf eine externe Finanzierung oder ein Förderung für die Umsetzung ihrer Investitionspläne verlassen müssen. Nach dem finanziellen Faktor sind das Nachfragewachstum und die regulatorischen und politischen Rahmenbedingungen auch von einiger Bedeutung. Andererseits ist der Zugriff auf Onshore-Elektrizität deutlich der am wenigsten wichtige Faktor, der von einem Unternehmen vor einer Investition berücksichtigt wird.
  • Ein weiterer Punkt (Frage 6) enthielt drei Fragen zum Greening:

 

a) „Nutzen Sie bereits eine der folgenden alternativen Antriebstechnologien [dieselelektrisch; vollelektrisch (Batterien); LNG (Liquified Natural Gas, Flüssigerdgas); GTL (Gas-to-Liquid, Gasverflüssigung); Wasserstoff] an Bord Ihrer Schiffe? Wenn ja, welche?“

Die häufigste von den Unternehmen angegebene alternative Technologie war der dieselelektrische Antrieb (44%), gefolgt von rein elektrischen Antrieb (34%), und Gasverflüssigung (16%). LNG- und Wasserstoffantrieb hatten zusammen einen Anteil von 6%.

 

b) „Planen Sie in der Zukunft ihre Flotte oder (eventuelle weitere) Teile derselben mit alternativen Antriebssystemen umzuwandeln?“

Die Antworten auf diese Frage zeigten eine gewisse Diskrepanz zwischen deutschen Unternehmen auf der einen Seite (bei denen die Pläne für eine Umwandlung oft als „sehr wahrscheinlich“ oder „definitiv“ angegeben wurden) und französischen Unternehmen, bei denen die mögliche Antwort „sehr unwahrscheinlich“ die große Mehrheit der Stimmen erhielt. Die Ergebnisse der niederländischen, belgischen und Schweizer Unternehmen zeigten, dass sie zwischen den französischen und deutschen Antworten lagen.

 

c) „Welches sind Ihre größten Bedenken, die Ihr Unternehmen aktuell von einer umfassenden Einführung alternativer Antriebsarten abhalten?“

Fünf Antworten (A1-A5) waren möglich. Die Unternehmen gaben meistens die folgenden Antworten an: A2 = ungenügend profitabel (30% aller Antworten), A4 = regulatorische Rahmenbedingungen immer noch zu unsicher (26% aller Antworten) und A1 = Anschubfinanzierung zu teuer / Mangel an Fremdkapital (25% aller Antworten).